Die Backend-Architektur ist die unsichtbare Grundlage jeder App. Nutzer sehen sie nicht – aber sie spüren sofort, wenn sie schlecht ist: langsame Ladezeiten, Sync-Probleme, Ausfälle.
In diesem Guide zeige ich Ihnen, wie Sie die richtige Backend-Entscheidung treffen: REST oder GraphQL? Firebase oder eigenes Backend? Serverless oder Container? Und vor allem: Wann welche Entscheidung die richtige ist.
Meine Perspektive: Backend-Architektur ist keine Technologie-Entscheidung, sondern eine Business-Entscheidung. Die Frage ist nicht "Was ist technisch am coolsten?", sondern "Was ermöglicht uns, schnell zu iterieren, zuverlässig zu skalieren, und nachts zu schlafen?" Overengineering kostet genauso viel wie Underengineering – nur anders.
Backend-Grundlagen: Was Mobile Apps brauchen
Bevor wir in Technologien einsteigen: Was muss ein Mobile-Backend eigentlich leisten?
Core-Funktionen
- Authentifizierung: Login, Session-Management, Token-Refresh
- Datenspeicherung: User-Daten, App-Daten, Medien
- Business-Logik: Validierung, Berechnungen, Workflows
- Push Notifications: Server-zu-Client-Kommunikation
- Synchronisation: Offline-Fähigkeit, Konfliktauflösung
Mobile-spezifische Anforderungen
- Bandbreiten-Effizienz: Mobile Netze sind langsam und teuer
- Latenz-Sensitivität: Nutzer erwarten sofortige Reaktion
- Offline-Toleranz: Apps müssen auch ohne Netz funktionieren
- Battery-Awareness: Polling killt Akkus
- Versionskompatibilität: Alte App-Versionen müssen weiter funktionieren
Ein Mobile-Backend ist nicht einfach ein Web-Backend mit einer anderen URL. Die Constraints sind fundamental anders.
REST vs GraphQL: Die API-Entscheidung
Die häufigste Architekturfrage – und die am meisten überschätzte. Beide funktionieren, beide haben Trade-offs.
REST: Der Klassiker
Was es ist: Ressourcen-orientierte API mit HTTP-Verben (GET, POST, PUT, DELETE).
Stärken:
- Einfach zu verstehen, breites Tooling
- HTTP-Caching funktioniert out-of-the-box
- Jeder Entwickler kennt es
- Debugging trivial (curl, Postman)
- Stabile, ausgereifte Ecosystem
Schwächen:
- Over-fetching: Endpoint liefert mehr Daten als benötigt
- Under-fetching: Mehrere Requests nötig für eine View (lösbar mit Composite Endpoints / BFF, z.B.
/homeliefert exakt die Daten für Home-Screen) - Versionierung: Breaking Changes erfordern neue API-Versionen
- Dokumentation: Muss separat gepflegt werden (OpenAPI/Swagger)
GraphQL: Der Flexible
Was es ist: Query-Sprache, bei der der Client exakt anfordert, was er braucht.
Stärken:
- Kein Over-/Under-fetching: Exakt die benötigten Daten
- Ein Endpoint: Keine URL-Explosion
- Typed Schema: Selbst-dokumentierend, Type-Safety
- Versionierung einfacher: Felder deprecaten statt API-Versionen
- Ideal für komplexe UIs: Viele verschachtelte Daten in einem Request
Schwächen:
- Komplexität: Mehr Setup, steilere Lernkurve
- Caching schwieriger: HTTP-Caching funktioniert nicht, Client-Caching nötig
- N+1-Problem: Naive Implementierungen sind langsam (DataLoader nötig)
- Security: Query-Komplexität muss begrenzt werden (DoS-Risiko)
- Tooling: Weniger Debugging-Tools als REST
Entscheidungsmatrix
| Kriterium | REST besser wenn... | GraphQL besser wenn... |
|---|---|---|
| Team-Erfahrung | Team kennt REST, wenig GraphQL-Erfahrung | Team hat GraphQL-Erfahrung oder Zeit zum Lernen |
| UI-Komplexität | Einfache CRUD-Operationen | Komplexe, verschachtelte Datenstrukturen |
| Clients | Ein Client (nur Mobile) oder wenige | Viele Clients mit unterschiedlichen Datenanforderungen |
| Caching | Aggressive HTTP-Caching nötig | Echtzeit-Daten, wenig Caching |
| Bandbreite | Bandbreite unkritisch | Jedes KB zählt (Mobile, emerging markets) |
| Time-to-Market | Schnell liefern, Team kennt REST | Langfristige Flexibilität wichtiger |
⚠️ Klartext zur REST vs GraphQL Debatte:
Die meisten Apps brauchen kein GraphQL. REST mit gut designten Endpoints löst 80% der Use Cases einfacher. GraphQL lohnt sich primär bei: (1) Vielen verschiedenen Clients mit unterschiedlichen Datenanforderungen, (2) Sehr komplexen, verschachtelten Datenstrukturen, (3) Teams mit GraphQL-Erfahrung. "Weil Netflix es nutzt" ist kein Argument – Netflix hat andere Probleme als Sie.
Kurz gesagt: Starten Sie mit REST, es sei denn, Sie haben konkrete Gründe für GraphQL. Migration später ist möglich.
Cloud-Services im Vergleich
Die Plattform-Entscheidung hat langfristige Konsequenzen: Lock-in, Kosten, verfügbare Features.
Firebase (Google)
Was es ist: Backend-as-a-Service (BaaS) mit Realtime-Fokus.
Komponenten:
- Firestore: NoSQL-Datenbank mit Realtime-Sync
- Authentication: OAuth, Email, Phone, Anonymous
- Cloud Functions: Serverless Backend-Logik
- Cloud Storage: Datei-Uploads
- FCM: Push Notifications
- Hosting, Analytics, Crashlytics, ...
Stärken:
- Extrem schneller Start (Stunden statt Wochen)
- Realtime-Sync out-of-the-box
- Offline-Support eingebaut
- Hervorragende Flutter/Mobile SDKs
- Großzügiges Free Tier
Schwächen:
- Vendor Lock-in: Migration ist aufwändig
- NoSQL-Einschränkungen: Komplexe Queries schwierig
- Kosten bei Scale: Kann teuer werden (Read/Write-basiert)
- EU-Hosting: Je nach Firebase-Service eingeschränkt/kompliziert
- Begrenzte Backend-Logik: Cloud Functions haben Limits
Ideal für: MVPs, Startups, Apps mit Realtime-Anforderungen, kleine Teams
Supabase
Was es ist: Open-Source Firebase-Alternative mit PostgreSQL.
Stärken:
- PostgreSQL: Echte relationale Datenbank, SQL-Power
- Open Source: Self-Hosting möglich
- Row Level Security: Fein-granulare Zugriffsrechte
- Realtime: Ähnlich wie Firestore
- EU-Hosting: Frankfurt-Region verfügbar
Schwächen:
- Jünger als Firebase, weniger ausgereift
- Mobile SDKs weniger mächtig als Firebase
- Offline-Support muss selbst implementiert werden
- Community kleiner
Ideal für: Teams mit SQL-Erfahrung, DSGVO-sensible Apps, relationale Datenmodelle
AWS Amplify
Was es ist: AWS-Frontend für Mobile/Web mit Backend-Services.
Stärken:
- Volle AWS-Power dahinter (wenn nötig)
- GraphQL-API (AppSync) first-class
- Cognito für Enterprise-Auth (SAML, OIDC)
- EU-Regionen verfügbar
Schwächen:
- AWS-Komplexität durchscheint
- Steile Lernkurve
- Debugging kann frustrierend sein
- Kosten-Transparenz schwierig
Ideal für: Enterprise-Apps, AWS-erfahrene Teams, komplexe Auth-Anforderungen
Eigenes Backend (Node, Python, Go, ...)
Was es ist: Selbst entwickeltes Backend auf eigener Infrastruktur oder Cloud.
Stärken:
- Volle Kontrolle: Keine Limits, keine Überraschungen
- Kein Lock-in: Migrieren wohin Sie wollen
- Kostenoptimierung: Bei Scale oft günstiger
- Beliebige Logik: Keine BaaS-Einschränkungen
Schwächen:
- Entwicklungszeit: Alles selbst bauen (Auth, Realtime, ...)
- Ops-Aufwand: Deployment, Monitoring, Security
- Team-Kapazität: Braucht Backend-Entwickler
Ideal für: Komplexe Business-Logik, langfristige Produkte, große Teams
Plattform-Vergleich auf einen Blick
| Kriterium | Firebase | Supabase | AWS Amplify | Eigenes Backend |
|---|---|---|---|---|
| Time-to-MVP | Sehr schnell | Schnell | Mittel | Langsam |
| Lernkurve | Flach | Flach | Steil | Variiert |
| Skalierung | Automatisch | Automatisch | Automatisch | Selbst managen |
| Lock-in | Hoch | Niedrig | Mittel | Keiner |
| EU-Hosting | Begrenzt | Ja | Ja | Frei wählbar |
| Kosten bei 10k MAU | Meist Free | Meist Free | ~$50-100 | ~$50-200 |
| Kosten bei 1M MAU | $500-2000+ | $100-500 | $500-2000 | Variiert stark |
Nur Daumenwerte – echte Kosten hängen von Reads/Writes/Egress, Nutzungsmuster und Traffic-Peaks ab.
BaaS vs. Custom Backend – Entscheidungshilfe:
| BaaS (Firebase, Supabase) | MVP, kleine Teams, Standard-Use-Cases, schnelle Iteration, wenig Backend-Erfahrung im Team |
| Custom Backend | Komplexe Business-Logik, strenge Compliance, langfristiges Produkt, Backend-Team vorhanden, spezielle Integrationen |
Für MVPs und erste Versionen ist BaaS (Firebase, Supabase) fast immer der richtige Start. Custom Backend, wenn Sie konkrete Anforderungen haben, die BaaS nicht erfüllt – nicht präventiv.
Serverless vs. Container vs. VM
Falls Sie ein eigenes Backend bauen: Wie deployen Sie es?
Serverless Functions (Lambda, Cloud Functions)
Was es ist: Code, der bei Bedarf ausgeführt wird. Keine Server-Verwaltung.
Stärken:
- Kein Ops-Aufwand
- Automatische Skalierung (0 bis ∞)
- Pay-per-Execution (bei wenig Traffic: billig)
Schwächen:
- Cold Starts: Erste Anfrage langsam (kann 100ms bis >1s sein)
- Execution Limits: Timeout, Memory, Payload-Größe
- Stateless: Kein persistenter Zustand zwischen Calls
- Debugging: Verteiltes System, schwerer nachzuvollziehen
- Kosten bei Scale: Kann bei hohem Traffic teuer werden
Ideal für: Event-driven Workloads, APIs mit variablem Traffic, Webhooks
Container (Docker, Kubernetes, Cloud Run)
Was es ist: Containerisierte Anwendungen, skalierbar und portabel.
Stärken:
- Volle Kontrolle über Runtime
- Keine Cold Starts (bei min. 1 Instance)
- Portabilität (lokal = Cloud)
- Gut für stateful Workloads
Schwächen:
- Mehr Ops-Aufwand (Kubernetes = komplex)
- Kosten auch bei 0 Traffic (min. 1 Instance)
- Skalierung muss konfiguriert werden
Ideal für: APIs mit konstantem Traffic, komplexe Anwendungen, Teams mit Container-Erfahrung
Traditionelle VMs
Stärken:
- Volle Kontrolle
- Vorhersagbare Kosten
- Einfaches Mental-Model
Schwächen:
- Manuelles Skalieren
- Patching, Security-Updates selbst
- Idle-Kosten
Ideal für: Legacy-Systeme, spezielle Anforderungen, Teams ohne Cloud-Erfahrung
Deployment-Entscheidung
| Faktor | Serverless | Container | VM |
|---|---|---|---|
| Ops-Aufwand | Minimal | Mittel | Hoch |
| Skalierung | Automatisch | Semi-Auto | Manuell |
| Cold Starts | Ja | Optional (min 1) | Nein |
| Kosten bei wenig Traffic | Sehr niedrig | Niedrig-Mittel | Mittel |
| Kosten bei viel Traffic | Kann teuer werden | Effizient | Effizient |
Praxis-Empfehlung: Starten Sie mit Serverless oder managed Container (Cloud Run, App Runner). Kubernetes erst, wenn Sie konkret wissen, warum Sie es brauchen.
Skalierung: Von 0 auf 1 Million
Skalierung ist kein Feature, das Sie einmal einbauen – es ist eine fortlaufende Architektur-Entscheidung.
Skalierungs-Dimensionen
- Vertical Scaling: Größere Server (einfach, hat Grenzen)
- Horizontal Scaling: Mehr Server (komplexer, unbegrenzt)
- Caching: Weniger Arbeit durch Zwischenspeicher
- CDN: Statische Assets näher am Nutzer
- Database Scaling: Read Replicas, Sharding
Typische Bottlenecks bei Mobile-Backends
1. Datenbank-Queries
- N+1-Problem (besonders bei GraphQL)
- Fehlende Indizes
- Keine Query-Pagination
Lösung: Query-Monitoring, Indexing-Strategie, Cursor-basierte Pagination
2. Unoptimierte Payloads
- Zu große API-Responses
- Bilder nicht optimiert
- Keine Kompression
Lösung: Response-Felder filtern, Bildgrößen anpassen, gzip/brotli
3. Fehlende Caching-Strategie
- Jeder Request geht zur Datenbank
- Keine HTTP-Cache-Header
- Kein CDN für statische Inhalte
Lösung: Redis/Memcached, Cache-Control Headers, CDN
4. Synchrone Verarbeitung
- Request wartet auf langsame Operationen
- Email-Versand im Request-Cycle
- Kein Background-Processing
Lösung: Message Queues (SQS, Pub/Sub), Background Jobs
Skalierungs-Strategie nach Phase
| Phase | MAU | Fokus | Typische Architektur |
|---|---|---|---|
| MVP | 0-1k | Schnell liefern | BaaS (Firebase) oder Single Server |
| Traction | 1k-50k | Stabilität, erste Optimierungen | BaaS oder managed Container |
| Growth | 50k-500k | Caching, CDN, DB-Optimierung | Serverless + Cache + CDN |
| Scale | 500k+ | Horizontale Skalierung, Microservices | Container/K8s, Read Replicas, Sharding |
⚠️ Premature Optimization Warning:
Die meisten Apps sterben nicht an Skalierungsproblemen – sie sterben, weil niemand sie nutzt. Bauen Sie nicht für 1 Million Nutzer, wenn Sie noch keine 1.000 haben. Skalierungs-Refactoring ist einfacher als Produkt-Pivots.
Kurz gesagt: Optimieren Sie erst, wenn Sie Probleme haben (oder kurz davor stehen). Monitoring einbauen, Bottlenecks identifizieren, gezielt lösen.
API-Design Best Practices
Versionierung
- URL-basiert:
/api/v1/users,/api/v2/users - Header-basiert:
Accept: application/vnd.api+json; version=2 - Empfehlung: URL-basiert für Mobile (einfacher zu debuggen)
Wichtig: Alte Versionen lange unterstützen – Sie kontrollieren nicht, wann Nutzer updaten.
Pagination
- Offset-based:
?page=2&limit=20– Einfach, aber inkonsistent bei neuen Einträgen - Cursor-based:
?cursor=abc123&limit=20– Konsistent, besser für Realtime - Empfehlung: Cursor-based für Feeds und Listen mit häufigen Updates
Error Handling
Konsistentes Error-Format:
{
"error": {
"code": "VALIDATION_ERROR",
"message": "Email ist ungültig",
"field": "email",
"request_id": "abc-123"
}
}
- HTTP-Status-Codes korrekt nutzen (400, 401, 403, 404, 500)
- Machine-readable Error Codes (für App-Logik)
- Human-readable Messages (für Debugging)
- Request-ID für Support-Fälle
Rate Limiting
- Warum: Schutz vor Abuse, faire Ressourcen-Verteilung
- Response Headers:
X-RateLimit-Remaining,X-RateLimit-Reset - Strategie: Pro User, pro API-Key, pro Endpoint unterschiedlich
Security Essentials
Authentication Patterns
- JWT (JSON Web Tokens): Stateless, skalierbar, aber Token-Revocation schwierig
- OAuth 2.0: Standard für Third-Party-Auth (Google, Apple Sign-In)
- Session-based: Einfacher, aber Server-State nötig
Mobile-spezifisch:
- Refresh-Token-Rotation (Security + UX)
- Biometric als Second Factor (nicht als einziger)
- Secure Storage (Keychain/Keystore)
API-Security Checklist
- ✅ HTTPS everywhere (keine Ausnahmen)
- ✅ Input-Validierung auf Server-Seite
- ✅ SQL-Injection verhindern (Parameterized Queries)
- ✅ Rate Limiting implementieren
- ✅ Sensitive Daten nicht in URLs (Query Params loggen!)
- ✅ CORS korrekt konfigurieren
- ✅ Security Headers setzen
- ✅ Secrets nicht im Code (Environment Variables)
- ✅ Logging: keine Tokens/PII in Logs; Request-ID/Correlation-ID überall
Mobile-spezifische Security
- Certificate Pinning: Schutz vor MITM (aber Update-Strategie bedenken!)
- API-Key Obfuscation: Keys nicht im Klartext im App-Code
- Root/Jailbreak Detection: Für sensible Apps (Banking etc.)
- Code Obfuscation: Reverse Engineering erschweren
Security-Mindset für Mobile:
Der Client ist feindliches Territorium. Alles, was auf dem Gerät läuft, kann reverse-engineered werden. Validierung, Authorization, Business-Logik – alles auf dem Server. Der Client ist nur UI.
Backend-Kosten
Kostenmodelle verstehen
- BaaS (Firebase, Supabase): Pay-per-Operation (Reads, Writes, Storage, Bandbreite)
- Serverless: Pay-per-Invocation + Duration
- Container/VM: Pay-per-Time (auch wenn idle)
Kostenfallen
- Firebase Reads: Listener + Queries zählen schnell hoch
- Egress-Kosten: Daten, die das Datacenter verlassen, kosten
- Serverless bei Scale: Viele kleine Functions summieren sich
- Nicht-genutzte Ressourcen: Staging-Umgebungen, alte VMs
Kosten-Optimierung
- Monitoring first: Erst verstehen, wo Kosten entstehen
- Caching: Cache-Hit = kein Backend-Call = keine Kosten
- Right-sizing: Nicht mehr Ressourcen als nötig
- Reserved Capacity: Bei vorhersagbarem Traffic günstiger
Beispielrechnung: App mit 50.000 MAU
| Komponente | Firebase | Supabase + Serverless | Custom (Cloud Run) |
|---|---|---|---|
| Database | ~$50-100 | ~$25-50 | ~$30-60 |
| Auth | Free | Free | ~$10-20 |
| Compute | ~$20-50 (Functions) | ~$20-40 | ~$40-80 |
| Storage | ~$10-20 | ~$10-20 | ~$10-20 |
| Gesamt/Monat | ~$80-170 | ~$55-110 | ~$90-180 |
Stark vereinfacht. Echte Kosten hängen von Nutzungsmuster, Datenmenge, Traffic-Peaks ab.
BaaS ist bei kleinem Scale oft günstiger durch niedrige Fixkosten. Bei großem Scale kann Custom Backend günstiger sein – aber nur, wenn Sie die Ops-Kosten einrechnen.
Migration und Refactoring
Wann migrieren?
- BaaS-Limits erreicht (Query-Komplexität, Kosten)
- Compliance-Anforderungen (EU-Hosting, Audits)
- Vendor-Lock-in wird zum Risiko
- Team ist gewachsen, kann Custom Backend maintainen
Migrations-Strategien
Strangler Pattern:
- Neue Features auf neuem Backend
- Alte Features schrittweise migrieren
- Kein Big Bang
API-Gateway dazwischen:
- Clients sprechen mit Gateway
- Gateway routet zu Alt- oder Neu-Backend
- Transparente Migration
Backward Compatibility
- Alte App-Versionen müssen weiter funktionieren
- API-Versionen parallel betreiben
- Deprecation-Warnings in Responses
- Analytics: Wie viele Nutzer auf alten Versionen?
Ich baue Backends so, dass sie skalieren können – aber nicht müssen. Das heißt: Saubere Architektur, keine Premature Optimization, klare Migration-Pfade.
Häufig gestellte Fragen zu Mobile Backends
Antworten auf die wichtigsten Fragen
Ja, aber es ist Aufwand. Firebase-Migration bedeutet: Daten exportieren, Auth-System wechseln (Nutzer müssen ggf. neu einloggen), Realtime-Logik neu bauen, Client-Code anpassen.
Strategie: Abstraktionsschicht zwischen App und Firebase. Dann ist der Wechsel weniger schmerzhaft. Aber: Nicht over-engineeren für hypothetische Migration.
Bei komplexen, verschachtelten Daten und mehreren Clients. Beispiele:
- • Dashboard-Apps mit vielen verknüpften Daten
- • Plattformen mit Web + Mobile + Partner-APIs
- • Apps, die stark personalisierte Views zeigen
Nicht lohnenswert: Einfache CRUD-Apps, Teams ohne GraphQL-Erfahrung, wenn Time-to-Market kritisch ist.
Das ist eines der schwierigsten Probleme. Optionen:
- • Firebase/Firestore: Eingebaut, funktioniert gut für einfache Cases
- • CRDTs: Konfliktfreie Datenstrukturen (komplex, aber robust)
- • Last-Write-Wins: Einfach, aber Datenverlust möglich
- • Manual Conflict Resolution: Nutzer entscheidet
Praxis: Für die meisten Apps reicht optimistic UI + Server als Source of Truth + Retry bei Fehlern.
⚠️ Warnung: Offline-Sync ist Produkt + Architektur. Wenn das Kernfeature ist: nicht nebenbei einbauen.
Hängt vom Setup ab. Kernfragen:
- • Wo werden Daten gespeichert? (EU-Region?)
- • Wer ist Auftragsverarbeiter? (AV-Vertrag nötig)
- • Welche Daten? (Personenbezug?)
- • US-Provider: Ist Transfer abgesichert? (SCCs, DPF)
Firebase: EU-Hosting begrenzt, US-Transfer mit DPF. Supabase: Frankfurt-Region verfügbar. Eigenes Backend: Volle Kontrolle.
Bei sensiblen Daten oder strengen Kunden: Rechtliche Beratung holen, nicht raten.
Wahrscheinlich nicht. Kubernetes löst Probleme, die die meisten Apps nicht haben. Fragen Sie sich:
- • Haben Sie ein DevOps-Team, das K8s maintainen kann?
- • Brauchen Sie Multi-Cloud oder Hybrid-Cloud?
- • Haben Sie >10 Services, die orchestriert werden müssen?
Wenn nicht: Managed Container (Cloud Run, App Runner, Fly.io) oder Serverless reichen – mit 10% des Aufwands.
Kommt auf Scale und Entwicklungskosten an:
- • Firebase: Niedrige Entwicklungskosten, höhere laufende Kosten bei Scale
- • Custom: Höhere Entwicklungskosten (4-8 Wochen mehr), niedrigere laufende Kosten bei Scale
Break-Even (grob): Bei ~100k+ MAU und hohem Traffic kann Custom günstiger werden – aber nur, wenn Sie die Entwickler-Zeit nicht einrechnen. Firebase "teuer" zu nennen, während Sie €10k/Monat für Backend-Entwickler zahlen, ist ein Rechenfehler.
Fazit: Backend als Enabler
Das beste Backend ist das, über das Sie nicht nachdenken müssen – weil es einfach funktioniert.
Die wichtigsten Takeaways:
- Starten Sie einfach: BaaS für MVP, Custom wenn nötig
- REST reicht meist: GraphQL nur bei konkretem Bedarf
- Skalieren Sie später: Premature Optimization killt Velocity
- Security von Anfang an: Client ist feindliches Territorium
- Kosten monitoren: Überraschungen vermeiden
- Migration einplanen: Aber nicht over-engineeren
Die Backend-Entscheidung sollte Ihre Feature-Entwicklung beschleunigen – nicht bremsen. Wählen Sie die einfachste Lösung, die Ihre Anforderungen erfüllt.
Backend-Architektur ist ein Thema, bei dem Erfahrung zählt – nicht Theorie. Ich habe Backends gebaut, die mit 10 Nutzern gestartet sind und auf 500.000+ skaliert haben. Die Fehler habe ich gemacht, damit Sie sie nicht machen müssen.
Mein Angebot: Schicken Sie mir drei Dinge:
- Ihre aktuelle Architektur (oder Ihr Plan, falls Greenfield)
- Ihre erwarteten Nutzerzahlen (aktuell + 12 Monate)
- Ihre Constraints (Budget, Team, Compliance, Timeline)
Dann bekommen Sie eine kurze Einschätzung, ob Ihre Architektur passt – oder wo Risiken lauern.
📧 E-Mail: die@entwicklerin.net 🌐 Website: www.app-entwicklerin.de
Über die Autorin: Carola Schulte entwickelt seit 25+ Jahren Business-Apps für DAX-nahe Konzerne und mittelständische Unternehmen. Backend-Architektur ist kein Selbstzweck – sondern die Grundlage für schnelle Feature-Entwicklung und ruhige Nächte.
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