Technologie & Architektur 1. Dezember 2025 20 min Lesezeit

Backend für Mobile Apps 2025: REST vs GraphQL, Cloud-Services, Skalierung

Die Backend-Entscheidung bestimmt, wie schnell Sie Features liefern, wie gut Sie skalieren – und wie viel Sie nachts schlafen. Ein Architektur-Guide für Entscheider.

Carola Schulte
Carola Schulte
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Die Backend-Architektur ist die unsichtbare Grundlage jeder App. Nutzer sehen sie nicht – aber sie spüren sofort, wenn sie schlecht ist: langsame Ladezeiten, Sync-Probleme, Ausfälle.

In diesem Guide zeige ich Ihnen, wie Sie die richtige Backend-Entscheidung treffen: REST oder GraphQL? Firebase oder eigenes Backend? Serverless oder Container? Und vor allem: Wann welche Entscheidung die richtige ist.

Meine Perspektive: Backend-Architektur ist keine Technologie-Entscheidung, sondern eine Business-Entscheidung. Die Frage ist nicht "Was ist technisch am coolsten?", sondern "Was ermöglicht uns, schnell zu iterieren, zuverlässig zu skalieren, und nachts zu schlafen?" Overengineering kostet genauso viel wie Underengineering – nur anders.

Backend-Grundlagen: Was Mobile Apps brauchen

Bevor wir in Technologien einsteigen: Was muss ein Mobile-Backend eigentlich leisten?

Core-Funktionen

  • Authentifizierung: Login, Session-Management, Token-Refresh
  • Datenspeicherung: User-Daten, App-Daten, Medien
  • Business-Logik: Validierung, Berechnungen, Workflows
  • Push Notifications: Server-zu-Client-Kommunikation
  • Synchronisation: Offline-Fähigkeit, Konfliktauflösung

Mobile-spezifische Anforderungen

  • Bandbreiten-Effizienz: Mobile Netze sind langsam und teuer
  • Latenz-Sensitivität: Nutzer erwarten sofortige Reaktion
  • Offline-Toleranz: Apps müssen auch ohne Netz funktionieren
  • Battery-Awareness: Polling killt Akkus
  • Versionskompatibilität: Alte App-Versionen müssen weiter funktionieren

Ein Mobile-Backend ist nicht einfach ein Web-Backend mit einer anderen URL. Die Constraints sind fundamental anders.

REST vs GraphQL: Die API-Entscheidung

Die häufigste Architekturfrage – und die am meisten überschätzte. Beide funktionieren, beide haben Trade-offs.

REST: Der Klassiker

Was es ist: Ressourcen-orientierte API mit HTTP-Verben (GET, POST, PUT, DELETE).

Stärken:

  • Einfach zu verstehen, breites Tooling
  • HTTP-Caching funktioniert out-of-the-box
  • Jeder Entwickler kennt es
  • Debugging trivial (curl, Postman)
  • Stabile, ausgereifte Ecosystem

Schwächen:

  • Over-fetching: Endpoint liefert mehr Daten als benötigt
  • Under-fetching: Mehrere Requests nötig für eine View (lösbar mit Composite Endpoints / BFF, z.B. /home liefert exakt die Daten für Home-Screen)
  • Versionierung: Breaking Changes erfordern neue API-Versionen
  • Dokumentation: Muss separat gepflegt werden (OpenAPI/Swagger)

GraphQL: Der Flexible

Was es ist: Query-Sprache, bei der der Client exakt anfordert, was er braucht.

Stärken:

  • Kein Over-/Under-fetching: Exakt die benötigten Daten
  • Ein Endpoint: Keine URL-Explosion
  • Typed Schema: Selbst-dokumentierend, Type-Safety
  • Versionierung einfacher: Felder deprecaten statt API-Versionen
  • Ideal für komplexe UIs: Viele verschachtelte Daten in einem Request

Schwächen:

  • Komplexität: Mehr Setup, steilere Lernkurve
  • Caching schwieriger: HTTP-Caching funktioniert nicht, Client-Caching nötig
  • N+1-Problem: Naive Implementierungen sind langsam (DataLoader nötig)
  • Security: Query-Komplexität muss begrenzt werden (DoS-Risiko)
  • Tooling: Weniger Debugging-Tools als REST

Entscheidungsmatrix

KriteriumREST besser wenn...GraphQL besser wenn...
Team-ErfahrungTeam kennt REST, wenig GraphQL-ErfahrungTeam hat GraphQL-Erfahrung oder Zeit zum Lernen
UI-KomplexitätEinfache CRUD-OperationenKomplexe, verschachtelte Datenstrukturen
ClientsEin Client (nur Mobile) oder wenigeViele Clients mit unterschiedlichen Datenanforderungen
CachingAggressive HTTP-Caching nötigEchtzeit-Daten, wenig Caching
BandbreiteBandbreite unkritischJedes KB zählt (Mobile, emerging markets)
Time-to-MarketSchnell liefern, Team kennt RESTLangfristige Flexibilität wichtiger

⚠️ Klartext zur REST vs GraphQL Debatte:

Die meisten Apps brauchen kein GraphQL. REST mit gut designten Endpoints löst 80% der Use Cases einfacher. GraphQL lohnt sich primär bei: (1) Vielen verschiedenen Clients mit unterschiedlichen Datenanforderungen, (2) Sehr komplexen, verschachtelten Datenstrukturen, (3) Teams mit GraphQL-Erfahrung. "Weil Netflix es nutzt" ist kein Argument – Netflix hat andere Probleme als Sie.

Kurz gesagt: Starten Sie mit REST, es sei denn, Sie haben konkrete Gründe für GraphQL. Migration später ist möglich.

Cloud-Services im Vergleich

Die Plattform-Entscheidung hat langfristige Konsequenzen: Lock-in, Kosten, verfügbare Features.

Firebase (Google)

Was es ist: Backend-as-a-Service (BaaS) mit Realtime-Fokus.

Komponenten:

  • Firestore: NoSQL-Datenbank mit Realtime-Sync
  • Authentication: OAuth, Email, Phone, Anonymous
  • Cloud Functions: Serverless Backend-Logik
  • Cloud Storage: Datei-Uploads
  • FCM: Push Notifications
  • Hosting, Analytics, Crashlytics, ...

Stärken:

  • Extrem schneller Start (Stunden statt Wochen)
  • Realtime-Sync out-of-the-box
  • Offline-Support eingebaut
  • Hervorragende Flutter/Mobile SDKs
  • Großzügiges Free Tier

Schwächen:

  • Vendor Lock-in: Migration ist aufwändig
  • NoSQL-Einschränkungen: Komplexe Queries schwierig
  • Kosten bei Scale: Kann teuer werden (Read/Write-basiert)
  • EU-Hosting: Je nach Firebase-Service eingeschränkt/kompliziert
  • Begrenzte Backend-Logik: Cloud Functions haben Limits

Ideal für: MVPs, Startups, Apps mit Realtime-Anforderungen, kleine Teams

Supabase

Was es ist: Open-Source Firebase-Alternative mit PostgreSQL.

Stärken:

  • PostgreSQL: Echte relationale Datenbank, SQL-Power
  • Open Source: Self-Hosting möglich
  • Row Level Security: Fein-granulare Zugriffsrechte
  • Realtime: Ähnlich wie Firestore
  • EU-Hosting: Frankfurt-Region verfügbar

Schwächen:

  • Jünger als Firebase, weniger ausgereift
  • Mobile SDKs weniger mächtig als Firebase
  • Offline-Support muss selbst implementiert werden
  • Community kleiner

Ideal für: Teams mit SQL-Erfahrung, DSGVO-sensible Apps, relationale Datenmodelle

AWS Amplify

Was es ist: AWS-Frontend für Mobile/Web mit Backend-Services.

Stärken:

  • Volle AWS-Power dahinter (wenn nötig)
  • GraphQL-API (AppSync) first-class
  • Cognito für Enterprise-Auth (SAML, OIDC)
  • EU-Regionen verfügbar

Schwächen:

  • AWS-Komplexität durchscheint
  • Steile Lernkurve
  • Debugging kann frustrierend sein
  • Kosten-Transparenz schwierig

Ideal für: Enterprise-Apps, AWS-erfahrene Teams, komplexe Auth-Anforderungen

Eigenes Backend (Node, Python, Go, ...)

Was es ist: Selbst entwickeltes Backend auf eigener Infrastruktur oder Cloud.

Stärken:

  • Volle Kontrolle: Keine Limits, keine Überraschungen
  • Kein Lock-in: Migrieren wohin Sie wollen
  • Kostenoptimierung: Bei Scale oft günstiger
  • Beliebige Logik: Keine BaaS-Einschränkungen

Schwächen:

  • Entwicklungszeit: Alles selbst bauen (Auth, Realtime, ...)
  • Ops-Aufwand: Deployment, Monitoring, Security
  • Team-Kapazität: Braucht Backend-Entwickler

Ideal für: Komplexe Business-Logik, langfristige Produkte, große Teams

Plattform-Vergleich auf einen Blick

KriteriumFirebaseSupabaseAWS AmplifyEigenes Backend
Time-to-MVPSehr schnellSchnellMittelLangsam
LernkurveFlachFlachSteilVariiert
SkalierungAutomatischAutomatischAutomatischSelbst managen
Lock-inHochNiedrigMittelKeiner
EU-HostingBegrenztJaJaFrei wählbar
Kosten bei 10k MAUMeist FreeMeist Free~$50-100~$50-200
Kosten bei 1M MAU$500-2000+$100-500$500-2000Variiert stark

Nur Daumenwerte – echte Kosten hängen von Reads/Writes/Egress, Nutzungsmuster und Traffic-Peaks ab.

BaaS vs. Custom Backend – Entscheidungshilfe:

BaaS (Firebase, Supabase)MVP, kleine Teams, Standard-Use-Cases, schnelle Iteration, wenig Backend-Erfahrung im Team
Custom BackendKomplexe Business-Logik, strenge Compliance, langfristiges Produkt, Backend-Team vorhanden, spezielle Integrationen

Für MVPs und erste Versionen ist BaaS (Firebase, Supabase) fast immer der richtige Start. Custom Backend, wenn Sie konkrete Anforderungen haben, die BaaS nicht erfüllt – nicht präventiv.

Serverless vs. Container vs. VM

Falls Sie ein eigenes Backend bauen: Wie deployen Sie es?

Serverless Functions (Lambda, Cloud Functions)

Was es ist: Code, der bei Bedarf ausgeführt wird. Keine Server-Verwaltung.

Stärken:

  • Kein Ops-Aufwand
  • Automatische Skalierung (0 bis ∞)
  • Pay-per-Execution (bei wenig Traffic: billig)

Schwächen:

  • Cold Starts: Erste Anfrage langsam (kann 100ms bis >1s sein)
  • Execution Limits: Timeout, Memory, Payload-Größe
  • Stateless: Kein persistenter Zustand zwischen Calls
  • Debugging: Verteiltes System, schwerer nachzuvollziehen
  • Kosten bei Scale: Kann bei hohem Traffic teuer werden

Ideal für: Event-driven Workloads, APIs mit variablem Traffic, Webhooks

Container (Docker, Kubernetes, Cloud Run)

Was es ist: Containerisierte Anwendungen, skalierbar und portabel.

Stärken:

  • Volle Kontrolle über Runtime
  • Keine Cold Starts (bei min. 1 Instance)
  • Portabilität (lokal = Cloud)
  • Gut für stateful Workloads

Schwächen:

  • Mehr Ops-Aufwand (Kubernetes = komplex)
  • Kosten auch bei 0 Traffic (min. 1 Instance)
  • Skalierung muss konfiguriert werden

Ideal für: APIs mit konstantem Traffic, komplexe Anwendungen, Teams mit Container-Erfahrung

Traditionelle VMs

Stärken:

  • Volle Kontrolle
  • Vorhersagbare Kosten
  • Einfaches Mental-Model

Schwächen:

  • Manuelles Skalieren
  • Patching, Security-Updates selbst
  • Idle-Kosten

Ideal für: Legacy-Systeme, spezielle Anforderungen, Teams ohne Cloud-Erfahrung

Deployment-Entscheidung

FaktorServerlessContainerVM
Ops-AufwandMinimalMittelHoch
SkalierungAutomatischSemi-AutoManuell
Cold StartsJaOptional (min 1)Nein
Kosten bei wenig TrafficSehr niedrigNiedrig-MittelMittel
Kosten bei viel TrafficKann teuer werdenEffizientEffizient

Praxis-Empfehlung: Starten Sie mit Serverless oder managed Container (Cloud Run, App Runner). Kubernetes erst, wenn Sie konkret wissen, warum Sie es brauchen.

Skalierung: Von 0 auf 1 Million

Skalierung ist kein Feature, das Sie einmal einbauen – es ist eine fortlaufende Architektur-Entscheidung.

Skalierungs-Dimensionen

  • Vertical Scaling: Größere Server (einfach, hat Grenzen)
  • Horizontal Scaling: Mehr Server (komplexer, unbegrenzt)
  • Caching: Weniger Arbeit durch Zwischenspeicher
  • CDN: Statische Assets näher am Nutzer
  • Database Scaling: Read Replicas, Sharding

Typische Bottlenecks bei Mobile-Backends

1. Datenbank-Queries

  • N+1-Problem (besonders bei GraphQL)
  • Fehlende Indizes
  • Keine Query-Pagination

Lösung: Query-Monitoring, Indexing-Strategie, Cursor-basierte Pagination

2. Unoptimierte Payloads

  • Zu große API-Responses
  • Bilder nicht optimiert
  • Keine Kompression

Lösung: Response-Felder filtern, Bildgrößen anpassen, gzip/brotli

3. Fehlende Caching-Strategie

  • Jeder Request geht zur Datenbank
  • Keine HTTP-Cache-Header
  • Kein CDN für statische Inhalte

Lösung: Redis/Memcached, Cache-Control Headers, CDN

4. Synchrone Verarbeitung

  • Request wartet auf langsame Operationen
  • Email-Versand im Request-Cycle
  • Kein Background-Processing

Lösung: Message Queues (SQS, Pub/Sub), Background Jobs

Skalierungs-Strategie nach Phase

PhaseMAUFokusTypische Architektur
MVP0-1kSchnell liefernBaaS (Firebase) oder Single Server
Traction1k-50kStabilität, erste OptimierungenBaaS oder managed Container
Growth50k-500kCaching, CDN, DB-OptimierungServerless + Cache + CDN
Scale500k+Horizontale Skalierung, MicroservicesContainer/K8s, Read Replicas, Sharding

⚠️ Premature Optimization Warning:

Die meisten Apps sterben nicht an Skalierungsproblemen – sie sterben, weil niemand sie nutzt. Bauen Sie nicht für 1 Million Nutzer, wenn Sie noch keine 1.000 haben. Skalierungs-Refactoring ist einfacher als Produkt-Pivots.

Kurz gesagt: Optimieren Sie erst, wenn Sie Probleme haben (oder kurz davor stehen). Monitoring einbauen, Bottlenecks identifizieren, gezielt lösen.

API-Design Best Practices

Versionierung

  • URL-basiert: /api/v1/users, /api/v2/users
  • Header-basiert: Accept: application/vnd.api+json; version=2
  • Empfehlung: URL-basiert für Mobile (einfacher zu debuggen)

Wichtig: Alte Versionen lange unterstützen – Sie kontrollieren nicht, wann Nutzer updaten.

Pagination

  • Offset-based: ?page=2&limit=20 – Einfach, aber inkonsistent bei neuen Einträgen
  • Cursor-based: ?cursor=abc123&limit=20 – Konsistent, besser für Realtime
  • Empfehlung: Cursor-based für Feeds und Listen mit häufigen Updates

Error Handling

Konsistentes Error-Format:

{
  "error": {
    "code": "VALIDATION_ERROR",
    "message": "Email ist ungültig",
    "field": "email",
    "request_id": "abc-123"
  }
}
  • HTTP-Status-Codes korrekt nutzen (400, 401, 403, 404, 500)
  • Machine-readable Error Codes (für App-Logik)
  • Human-readable Messages (für Debugging)
  • Request-ID für Support-Fälle

Rate Limiting

  • Warum: Schutz vor Abuse, faire Ressourcen-Verteilung
  • Response Headers: X-RateLimit-Remaining, X-RateLimit-Reset
  • Strategie: Pro User, pro API-Key, pro Endpoint unterschiedlich

Security Essentials

Authentication Patterns

  • JWT (JSON Web Tokens): Stateless, skalierbar, aber Token-Revocation schwierig
  • OAuth 2.0: Standard für Third-Party-Auth (Google, Apple Sign-In)
  • Session-based: Einfacher, aber Server-State nötig

Mobile-spezifisch:

  • Refresh-Token-Rotation (Security + UX)
  • Biometric als Second Factor (nicht als einziger)
  • Secure Storage (Keychain/Keystore)

API-Security Checklist

  • ✅ HTTPS everywhere (keine Ausnahmen)
  • ✅ Input-Validierung auf Server-Seite
  • ✅ SQL-Injection verhindern (Parameterized Queries)
  • ✅ Rate Limiting implementieren
  • ✅ Sensitive Daten nicht in URLs (Query Params loggen!)
  • ✅ CORS korrekt konfigurieren
  • ✅ Security Headers setzen
  • ✅ Secrets nicht im Code (Environment Variables)
  • ✅ Logging: keine Tokens/PII in Logs; Request-ID/Correlation-ID überall

Mobile-spezifische Security

  • Certificate Pinning: Schutz vor MITM (aber Update-Strategie bedenken!)
  • API-Key Obfuscation: Keys nicht im Klartext im App-Code
  • Root/Jailbreak Detection: Für sensible Apps (Banking etc.)
  • Code Obfuscation: Reverse Engineering erschweren

Security-Mindset für Mobile:

Der Client ist feindliches Territorium. Alles, was auf dem Gerät läuft, kann reverse-engineered werden. Validierung, Authorization, Business-Logik – alles auf dem Server. Der Client ist nur UI.

Backend-Kosten

Kostenmodelle verstehen

  • BaaS (Firebase, Supabase): Pay-per-Operation (Reads, Writes, Storage, Bandbreite)
  • Serverless: Pay-per-Invocation + Duration
  • Container/VM: Pay-per-Time (auch wenn idle)

Kostenfallen

  • Firebase Reads: Listener + Queries zählen schnell hoch
  • Egress-Kosten: Daten, die das Datacenter verlassen, kosten
  • Serverless bei Scale: Viele kleine Functions summieren sich
  • Nicht-genutzte Ressourcen: Staging-Umgebungen, alte VMs

Kosten-Optimierung

  • Monitoring first: Erst verstehen, wo Kosten entstehen
  • Caching: Cache-Hit = kein Backend-Call = keine Kosten
  • Right-sizing: Nicht mehr Ressourcen als nötig
  • Reserved Capacity: Bei vorhersagbarem Traffic günstiger

Beispielrechnung: App mit 50.000 MAU

KomponenteFirebaseSupabase + ServerlessCustom (Cloud Run)
Database~$50-100~$25-50~$30-60
AuthFreeFree~$10-20
Compute~$20-50 (Functions)~$20-40~$40-80
Storage~$10-20~$10-20~$10-20
Gesamt/Monat~$80-170~$55-110~$90-180

Stark vereinfacht. Echte Kosten hängen von Nutzungsmuster, Datenmenge, Traffic-Peaks ab.

BaaS ist bei kleinem Scale oft günstiger durch niedrige Fixkosten. Bei großem Scale kann Custom Backend günstiger sein – aber nur, wenn Sie die Ops-Kosten einrechnen.

Migration und Refactoring

Wann migrieren?

  • BaaS-Limits erreicht (Query-Komplexität, Kosten)
  • Compliance-Anforderungen (EU-Hosting, Audits)
  • Vendor-Lock-in wird zum Risiko
  • Team ist gewachsen, kann Custom Backend maintainen

Migrations-Strategien

Strangler Pattern:

  • Neue Features auf neuem Backend
  • Alte Features schrittweise migrieren
  • Kein Big Bang

API-Gateway dazwischen:

  • Clients sprechen mit Gateway
  • Gateway routet zu Alt- oder Neu-Backend
  • Transparente Migration

Backward Compatibility

  • Alte App-Versionen müssen weiter funktionieren
  • API-Versionen parallel betreiben
  • Deprecation-Warnings in Responses
  • Analytics: Wie viele Nutzer auf alten Versionen?

Ich baue Backends so, dass sie skalieren können – aber nicht müssen. Das heißt: Saubere Architektur, keine Premature Optimization, klare Migration-Pfade.

Häufig gestellte Fragen zu Mobile Backends

Antworten auf die wichtigsten Fragen

Ja, aber es ist Aufwand. Firebase-Migration bedeutet: Daten exportieren, Auth-System wechseln (Nutzer müssen ggf. neu einloggen), Realtime-Logik neu bauen, Client-Code anpassen.

Strategie: Abstraktionsschicht zwischen App und Firebase. Dann ist der Wechsel weniger schmerzhaft. Aber: Nicht over-engineeren für hypothetische Migration.

Bei komplexen, verschachtelten Daten und mehreren Clients. Beispiele:

  • • Dashboard-Apps mit vielen verknüpften Daten
  • • Plattformen mit Web + Mobile + Partner-APIs
  • • Apps, die stark personalisierte Views zeigen

Nicht lohnenswert: Einfache CRUD-Apps, Teams ohne GraphQL-Erfahrung, wenn Time-to-Market kritisch ist.

Das ist eines der schwierigsten Probleme. Optionen:

  • Firebase/Firestore: Eingebaut, funktioniert gut für einfache Cases
  • CRDTs: Konfliktfreie Datenstrukturen (komplex, aber robust)
  • Last-Write-Wins: Einfach, aber Datenverlust möglich
  • Manual Conflict Resolution: Nutzer entscheidet

Praxis: Für die meisten Apps reicht optimistic UI + Server als Source of Truth + Retry bei Fehlern.

⚠️ Warnung: Offline-Sync ist Produkt + Architektur. Wenn das Kernfeature ist: nicht nebenbei einbauen.

Hängt vom Setup ab. Kernfragen:

  • • Wo werden Daten gespeichert? (EU-Region?)
  • • Wer ist Auftragsverarbeiter? (AV-Vertrag nötig)
  • • Welche Daten? (Personenbezug?)
  • • US-Provider: Ist Transfer abgesichert? (SCCs, DPF)

Firebase: EU-Hosting begrenzt, US-Transfer mit DPF. Supabase: Frankfurt-Region verfügbar. Eigenes Backend: Volle Kontrolle.

Bei sensiblen Daten oder strengen Kunden: Rechtliche Beratung holen, nicht raten.

Wahrscheinlich nicht. Kubernetes löst Probleme, die die meisten Apps nicht haben. Fragen Sie sich:

  • • Haben Sie ein DevOps-Team, das K8s maintainen kann?
  • • Brauchen Sie Multi-Cloud oder Hybrid-Cloud?
  • • Haben Sie >10 Services, die orchestriert werden müssen?

Wenn nicht: Managed Container (Cloud Run, App Runner, Fly.io) oder Serverless reichen – mit 10% des Aufwands.

Kommt auf Scale und Entwicklungskosten an:

  • Firebase: Niedrige Entwicklungskosten, höhere laufende Kosten bei Scale
  • Custom: Höhere Entwicklungskosten (4-8 Wochen mehr), niedrigere laufende Kosten bei Scale

Break-Even (grob): Bei ~100k+ MAU und hohem Traffic kann Custom günstiger werden – aber nur, wenn Sie die Entwickler-Zeit nicht einrechnen. Firebase "teuer" zu nennen, während Sie €10k/Monat für Backend-Entwickler zahlen, ist ein Rechenfehler.

Fazit: Backend als Enabler

Das beste Backend ist das, über das Sie nicht nachdenken müssen – weil es einfach funktioniert.

Die wichtigsten Takeaways:

  1. Starten Sie einfach: BaaS für MVP, Custom wenn nötig
  2. REST reicht meist: GraphQL nur bei konkretem Bedarf
  3. Skalieren Sie später: Premature Optimization killt Velocity
  4. Security von Anfang an: Client ist feindliches Territorium
  5. Kosten monitoren: Überraschungen vermeiden
  6. Migration einplanen: Aber nicht over-engineeren

Die Backend-Entscheidung sollte Ihre Feature-Entwicklung beschleunigen – nicht bremsen. Wählen Sie die einfachste Lösung, die Ihre Anforderungen erfüllt.


Backend-Architektur ist ein Thema, bei dem Erfahrung zählt – nicht Theorie. Ich habe Backends gebaut, die mit 10 Nutzern gestartet sind und auf 500.000+ skaliert haben. Die Fehler habe ich gemacht, damit Sie sie nicht machen müssen.

Mein Angebot: Schicken Sie mir drei Dinge:

  1. Ihre aktuelle Architektur (oder Ihr Plan, falls Greenfield)
  2. Ihre erwarteten Nutzerzahlen (aktuell + 12 Monate)
  3. Ihre Constraints (Budget, Team, Compliance, Timeline)

Dann bekommen Sie eine kurze Einschätzung, ob Ihre Architektur passt – oder wo Risiken lauern.

📧 E-Mail: die@entwicklerin.net 🌐 Website: www.app-entwicklerin.de


Über die Autorin: Carola Schulte entwickelt seit 25+ Jahren Business-Apps für DAX-nahe Konzerne und mittelständische Unternehmen. Backend-Architektur ist kein Selbstzweck – sondern die Grundlage für schnelle Feature-Entwicklung und ruhige Nächte.

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