App Analytics gehören zu den Themen, bei denen ich in Projekten die größte Diskrepanz zwischen Aufwand und Nutzen sehe. Viele Apps sammeln Unmengen an Daten – aber niemand schaut sie an. Andere haben kein Tracking und fliegen blind.
In diesem Guide zeige ich Ihnen, welche Metriken für welchen App-Typ wirklich relevant sind, wie Sie Analytics sinnvoll implementieren – und welche Tools sich für welches Budget eignen.
Meine Perspektive: Analytics sind kein Selbstzweck. Jede Metrik, die Sie tracken, sollte eine konkrete Entscheidung ermöglichen. Wenn Sie nicht wissen, was Sie mit einer Zahl anfangen würden – tracken Sie sie nicht. Weniger Daten, die Sie verstehen, schlagen mehr Daten, die Sie ignorieren.
Warum App Analytics unverzichtbar sind
Ohne Analytics treffen Sie Produktentscheidungen im Blindflug. Mit Analytics treffen Sie Produktentscheidungen auf Basis von Nutzerverhalten statt Bauchgefühl.
Was Analytics leisten:
- Probleme identifizieren: Wo brechen Nutzer ab? Welche Features werden nicht genutzt?
- Erfolg messen: Wirkt das neue Feature? Hat die Änderung die Retention verbessert?
- Priorisieren: Welche Verbesserungen haben den größten Impact?
- Segmentieren: Verhalten sich Power-User anders als Gelegenheitsnutzer?
- Monetarisierung optimieren: Wann konvertieren Nutzer? Was triggert Käufe?
Faustregeln aus der Praxis:
- Apps mit datengetriebener Produktentwicklung haben oft deutlich bessere Retention-Werte
- Die meisten "Bauchentscheidungen" über Nutzerverhalten stellen sich als falsch heraus
- Schon einfaches Event-Tracking kann blinde Flecken aufdecken
Kurz gesagt: Analytics sind keine Option, sondern die Grundlage für jede ernsthafte App-Entwicklung nach dem Launch.
Die wichtigsten App-Metriken erklärt
Nicht jede Metrik ist für jede App relevant. Hier die wichtigsten KPIs, was sie bedeuten, und wann sie zählen.
Nutzer-Metriken
DAU (Daily Active Users)
- Was: Eindeutige Nutzer, die die App an einem Tag öffnen
- Wann relevant: Apps mit täglicher Nutzungserwartung (Social, News, Fitness)
- Achtung: "Aktiv" muss definiert werden – App-Öffnung oder echte Interaktion?
MAU (Monthly Active Users)
- Was: Eindeutige Nutzer in 30 Tagen
- Wann relevant: Fast immer – Basis-Metrik für App-Größe
- Achtung: MAU allein sagt nichts über Engagement-Tiefe
DAU/MAU Ratio (Stickiness)
- Was: Verhältnis von DAU zu MAU – wie "klebrig" ist die App?
- Benchmark: Variiert stark nach App-Typ. Social-Apps liegen oft höher als Utility-Apps
- Interpretation: Höher = Nutzer kommen häufiger zurück
Retention-Metriken
Day 1 / Day 7 / Day 30 Retention
- Was: Prozentsatz der Nutzer, die nach X Tagen zurückkommen
- Warum kritisch: Retention ist der wichtigste Indikator für Product-Market-Fit
- Interpretation: Starker Drop zwischen D1 und D7 = Onboarding-Problem. Drop zwischen D7 und D30 = Langzeit-Wert fehlt
Faustregeln für Retention (stark abhängig von App-Kategorie):
| Zeitpunkt | Consumer Apps | B2B/Enterprise |
|---|---|---|
| Day 1 | Oft 20-40% | Oft höher (Pflichtnutzung) |
| Day 7 | Oft 10-20% | Stabiler |
| Day 30 | Oft 5-10% | Variiert stark |
⚠️ Klartext zu Benchmarks:
Diese Werte sind grobe Orientierungshilfen – keine Benchmarks. Retention hängt ab von: App-Kategorie (Gaming vs. Utility), Region (D-A-CH vs. USA vs. emerging markets), Akquise-Kanal (organisch vs. paid vs. Incentivized), Onboarding-Flow und vielen weiteren Faktoren. Vergleichen Sie primär mit Ihrem eigenen Vormonat – nicht mit Industrie-Zahlen ohne Kontext.
Churn Rate
- Was: Prozentsatz der Nutzer, die in einem Zeitraum abspringen
- Berechnung: (Verlorene Nutzer / Nutzer am Periodenbeginn) × 100
- Wichtig: Churn-Definition muss konsistent sein (keine Öffnung seit X Tagen?)
Engagement-Metriken
Session Length
- Was: Durchschnittliche Nutzungsdauer pro Session
- Interpretation: Länger ist nicht immer besser – bei Utility-Apps kann kurz = effizient sein
Sessions per User
- Was: Wie oft öffnet ein Nutzer die App pro Tag/Woche?
- Kombination mit Session Length: Viele kurze Sessions vs. wenige lange – verschiedene Nutzungsmuster
Feature Adoption
- Was: Welcher Anteil der Nutzer verwendet Feature X?
- Warum wichtig: Features mit niedriger Adoption: Versteckt? Unnötig? Schlecht erklärt?
Conversion-Metriken
Conversion Rate
- Was: Prozentsatz der Nutzer, die eine gewünschte Aktion ausführen
- Beispiele: Registrierung, Kauf, Upgrade, Feature-Nutzung
- Wichtig: Conversion-Funnel tracken, nicht nur Endergebnis
ARPU (Average Revenue Per User)
- Was: Umsatz / Anzahl aktiver Nutzer
- Varianten: ARPPU (nur zahlende Nutzer), ARPDAU (pro Tag)
LTV (Lifetime Value)
- Was: Prognostizierter Gesamtumsatz eines Nutzers über seine Lebensdauer
- Berechnung: Komplex – vereinfacht: ARPU × durchschnittliche Nutzungsdauer
- Wichtig für: CAC (Customer Acquisition Cost) Entscheidungen – LTV sollte CAC deutlich übersteigen
Kurz gesagt: Starten Sie mit wenigen Kern-Metriken (DAU/MAU, Retention, eine Conversion). Erweitern Sie erst, wenn Sie diese verstehen und nutzen.
Welche Metriken für welchen App-Typ
Nicht jede App braucht dieselben KPIs. Hier eine Orientierung:
| App-Typ | Primäre Metriken | Sekundäre Metriken |
|---|---|---|
| Social/Community | DAU, DAU/MAU, Session Count | Content Created, Interactions |
| E-Commerce | Conversion Rate, ARPU, Cart Abandonment | Browse-to-Buy Time, Repeat Purchase |
| SaaS/Subscription | MRR, Churn, Trial-to-Paid | Feature Adoption, NPS |
| Gaming | D1/D7/D30 Retention, ARPDAU | Level Completion, Session Length |
| Fitness/Health | Weekly Active, Streak Length | Goal Completion, Habit Formation |
| Utility/Tools | Task Completion, Time-to-Value | Error Rate, Support Tickets |
| B2B/Enterprise | Active Accounts, Feature Usage | Admin Actions, Rollout Rate |
Praxis-Tipp: Definieren Sie für Ihre App eine North-Star-Metrik – die eine Zahl, die am besten ausdrückt, ob Ihre App erfolgreich ist. Für Spotify wäre das "Zeit beim Musikhören", für Slack "Messages sent".
Analytics-Tools im Vergleich
Die Tool-Landschaft ist groß. Hier die relevantesten Optionen:
Firebase Analytics (Google)
Kosten: Kostenlos (mit Limits), BigQuery-Export kostet
Stärken:
- Kostenlos und sehr mächtig
- Native Integration in Flutter, Android, iOS
- Automatisches Event-Tracking (Screen Views, Crashes)
- Integration mit Google Ads, BigQuery
- Realtime-Dashboard
Schwächen:
- Begrenzte Analyse-Tiefe in der kostenlosen Version
- Retention-Kohorten nur 12 Wochen
- Komplexe Funnels erfordern BigQuery
- Datenschutz: Google-Server (für manche Kunden problematisch)
Ideal für: Startups, MVPs, Apps mit Google-Stack
Mixpanel
Kosten: Kostenlos bis 20M Events/Monat, dann ab ~$25/Monat
Stärken:
- Exzellente Funnel- und Retention-Analyse
- User-Level-Tracking (Einzelnutzer nachvollziehen)
- Flexible Segmentierung
- A/B-Test-Integration
- EU-Hosting verfügbar
Schwächen:
- Event-basiertes Pricing kann teuer werden
- Lernkurve steiler als Firebase
- Keine native Crash-Reporting
Ideal für: Product-Teams, die tiefe Nutzeranalyse brauchen
Amplitude
Kosten: Kostenlos bis 10M Events/Monat, Enterprise-Pricing darüber
Stärken:
- Beste Behavioral Analytics im Markt
- Cohort-Analyse, Pfadanalyse, Retention-Kurven
- Starke Segmentierung und Personas
- Prädiktive Analytics (Enterprise)
Schwächen:
- Kann komplex werden
- Enterprise-Pricing nicht transparent
- Overkill für einfache Apps
Ideal für: Scale-ups, Product-Led-Growth, datengetriebene Teams
PostHog
Kosten: Open Source (Self-Host kostenlos), Cloud ab $0 (Free Tier)
Stärken:
- Self-Hosting möglich (DSGVO-freundlich)
- Session Recordings, Feature Flags, A/B-Tests
- Alles-in-einem-Tool
- Transparent und Open Source
Schwächen:
- Mobile SDKs weniger ausgereift als Web – und je nach App kann das Tracking-Setup und QA spürbar mehr Aufwand sein
- Self-Hosting erfordert DevOps-Kapazität
Wichtig: Wenn Sie Mobile-first sind und keine DevOps-Kapazität haben: eher Mixpanel oder Amplitude. PostHog ist keine automatische DSGVO-Wunderwaffe – Self-Hosting bedeutet Verantwortung für Infrastruktur, Updates und Security.
Ideal für: Datenschutz-sensible Apps, Tech-affine Teams mit DevOps-Kapazität
Tool-Vergleich auf einen Blick
| Kriterium | Firebase | Mixpanel | Amplitude | PostHog |
|---|---|---|---|---|
| Kostenlos-Tier | Großzügig | 20M Events | 10M Events | 1M Events |
| Mobile SDK | Excellent | Gut | Gut | Okay |
| Retention-Analyse | Basis | Sehr gut | Excellent | Gut |
| Funnel-Analyse | Basis | Sehr gut | Excellent | Gut |
| EU-Hosting | Nein | Ja | Ja | Self-Host |
| Setup-Aufwand | Gering | Mittel | Mittel | Hoch (Self-Host) |
Klartext zu Firebase: Firebase reicht, bis Sie ernsthaft Funnels, Kohorten oder Attribution sauber auswerten wollen. Dann landen Sie schnell bei BigQuery-Export oder einem BI-Tool – und das kostet Zeit und/oder Geld. Für die ersten Monate ist Firebase trotzdem der beste Startpunkt.
Kurz gesagt: Für die meisten Apps ist Firebase der beste Startpunkt – kostenlos, schnell integriert, ausreichend für die ersten Monate. Wechseln Sie zu Mixpanel/Amplitude, wenn Sie an die Grenzen stoßen.
iOS vs. Android: Datenschutz und Tracking
Seit iOS 14.5 und App Tracking Transparency (ATT) gelten unterschiedliche Spielregeln.
iOS: ATT und die Folgen
Was ATT bedeutet:
- Nutzer müssen explizit zustimmen, bevor Sie IDFA (Identifier for Advertisers) nutzen dürfen
- Ohne Zustimmung: Kein Cross-App-Tracking, eingeschränktes Attribution
- Opt-in-Raten variieren stark – oft im niedrigen Bereich
Was Sie trotzdem tracken können:
- First-Party-Analytics (in-App-Verhalten) – uneingeschränkt
- Aggregierte Daten über SKAdNetwork (Apple's Attribution-Framework)
- Kontextuelle Daten (Gerätetyp, OS-Version, App-Version)
Was eingeschränkt ist:
- User-Level-Attribution für Ads
- Cross-App-Tracking
- Retargeting ohne Consent
Android: Privacy Sandbox
Google zieht nach – langsamer, aber in dieselbe Richtung:
- Advertising ID wird eingeschränkt (Opt-out einfacher)
- Privacy Sandbox für Android in Entwicklung
- Aktuell noch mehr Tracking möglich als auf iOS
Praktische Konsequenzen
- First-Party-Data ist King: In-App-Analytics funktionieren weiterhin ohne Einschränkung
- Attribution wird ungenauer: Besonders für Paid Marketing auf iOS
- Contextual Targeting gewinnt: Weniger User-Level, mehr Kohortenbasiert
- DSGVO + ATT: Doppelte Consent-Anforderung in der EU beachten
Product Analytics vs. Ads Attribution – nicht verwechseln:
| Product Analytics | First-Party Events in der App. Funktioniert uneingeschränkt. "Was machen Nutzer in meiner App?" |
| Ads Attribution | IDFA/ATT/SKAdNetwork. Stark eingeschränkt (iOS) bzw. eingeschränkt werdend (Android). "Woher kommen meine Nutzer?" |
Kurz gesagt: Für In-App-Analytics (Product Analytics) ändert sich wenig. Für Attribution und Ads-Tracking ist iOS deutlich restriktiver. Planen Sie mit weniger granularen Attributionsdaten.
Analytics richtig implementieren
Event-Design: Die Grundlagen
Event-Naming-Konvention:
- Konsistent:
screen_viewed,button_clicked,purchase_completed - Beschreibend:
checkout_startedstattevent_1 - Hierarchisch:
onboarding_step_1_completed
Event-Properties:
- Kontext mitgeben:
screen_name,button_label,item_id - Nicht übertreiben: Nur Properties, die Sie auswerten werden
- Datentypen beachten: Strings vs. Numbers (für Aggregation wichtig)
Was Sie tracken sollten
Minimum (für jede App):
- App-Öffnung / Session-Start
- Screen/Page Views
- Kern-Feature-Nutzung (1-3 wichtigste Aktionen)
- Conversion-Events (Registrierung, Kauf, etc.)
- Fehler und Crashes
Erweitert (wenn sinnvoll):
- Funnel-Schritte detailliert
- Feature-Adoption pro Feature
- Timing (Time-to-Action)
- User Properties (Segment, Plan, etc.)
Vermeiden:
- Jeden Button-Klick tracken (Data Noise)
- PII (Personally Identifiable Information) in Events
- Events ohne klaren Analyse-Zweck
Tracking-Plan erstellen
Bevor Sie implementieren: Dokumentieren Sie, was Sie tracken und warum.
Tracking-Plan-Vorlage:
| Event Name | Trigger | Properties | Analyse-Ziel |
|---|---|---|---|
signup_completed | Nach Registrierung | method (email/google/apple) | Conversion-Rate, Auth-Präferenz |
item_added_to_cart | Add-to-Cart-Button | item_id, price, category | Funnel-Analyse, Warenkorbwert |
purchase_completed | Nach Zahlung | order_id, total, items_count | Revenue, ARPU |
Flutter-Implementation (Überblick)
Firebase Analytics:
// Event loggen
await FirebaseAnalytics.instance.logEvent(
name: 'purchase_completed',
parameters: {
'order_id': '12345',
'total': 49.99,
'currency': 'EUR',
},
);
// User Property setzen
await FirebaseAnalytics.instance.setUserProperty(
name: 'subscription_tier',
value: 'premium',
);
Aufwand für solide Implementation: 8-20 Stunden (je nach Komplexität)
Kurz gesagt: Planen Sie vor dem Coden. Ein durchdachter Tracking-Plan spart später Wochen an Aufräumarbeit.
Data Quality & Event Governance
Der Teil, den die meisten Teams ignorieren – und der sie später ruiniert. Wenn Ihre Events inkonsistent sind, können Sie die schönsten Analysen vergessen.
Event-Schema versionieren
- Events haben Versionen:
purchase_completed_v1,purchase_completed_v2 - Bei Schema-Änderungen: Neue Version, nicht altes Event überschreiben
- Dokumentieren, wann welche Version aktiv war (sonst Zeitreihen-Chaos)
Naming-Konvention + zentrale Event-Library
- Eine Quelle der Wahrheit: Alle Events in einer zentralen Datei/Klasse definieren
- Keine Strings im Code:
Analytics.purchaseCompletedstatt"purchase_completed" - Konsistente Konvention:
object_action(z.B.cart_item_added) oderaction_object– aber einheitlich
Debug-Mode / QA-Checklist
- Staging prüfen: Events im Debug-View verifizieren, bevor sie live gehen
- QA-Checklist: Event-Name korrekt? Properties vorhanden? Datentypen richtig?
- Firebase DebugView / Mixpanel Live View aktiv nutzen
Event-Cardinality begrenzen
- Problem: Freie Strings als Property-Werte (z.B.
search_query: "blaues kleid größe 38") → nicht aggregierbar - Lösung: Kategorisieren.
search_category: "clothing",search_has_size_filter: true - Faustregel: Property-Werte sollten endlich und vorhersagbar sein
Dedup / Idempotency
- Offline-Szenarien: Events werden gequeued und später gesendet – können doppelt ankommen
- Retry-Logik: Bei Netzwerkfehlern nicht blind neu senden
- Event-IDs: Bei kritischen Events (Purchases!) eindeutige ID mitgeben, um Duplikate zu erkennen
Zeit / Zeitzone / Clock-Skew
- event_time (Client) vs. received_time (Server): Zwei verschiedene Timestamps, oft Minuten oder Stunden auseinander
- Problem: Offline-Nutzung, falsche Gerätezeit, Zeitzonen-Chaos → Funnels zeigen unmögliche Reihenfolgen
- Lösung: Für Funnel-Analysen
received_time(Server) als Referenz nutzen,event_time(Client) nur für Session-Analyse - Praxis: Immer beide Timestamps loggen, UTC verwenden, lokale Zeit nur für Display
Kurz gesagt: Saubere Events von Anfang an sind 10x einfacher als nachträgliches Aufräumen. Investieren Sie in Event Governance, bevor Sie 6 Monate Datenmüll haben.
Von Daten zu Entscheidungen
Daten sammeln ist einfach. Daraus Entscheidungen ableiten ist die eigentliche Arbeit.
Dashboard-Design
Executive Dashboard (wöchentlich):
- North-Star-Metrik (Trend)
- DAU/MAU (Trend)
- Retention (D1, D7, D30)
- Revenue / Conversions
Product Dashboard (täglich):
- Feature-Adoption für aktuelle Releases
- Funnel-Conversion-Rates
- Anomalien und Alerts
Deep-Dive (bei Bedarf):
- Kohortenanalyse
- Segmentvergleiche
- A/B-Test-Ergebnisse
Analyse-Framework
Für jede Analyse:
- Frage definieren: Was wollen Sie wissen?
- Hypothese aufstellen: Was vermuten Sie?
- Daten prüfen: Was sagen die Zahlen?
- Interpretation: Warum ist das so?
- Aktion: Was ändern Sie basierend darauf?
Beispiel:
- Frage: Warum ist D7-Retention so niedrig?
- Hypothese: Nutzer verstehen das Hauptfeature nicht
- Daten: Nur ein kleiner Teil nutzt Feature X in der ersten Woche
- Interpretation: Feature X ist versteckt oder unklar
- Aktion: Onboarding-Flow anpassen, Feature prominenter platzieren
Häufige Analyse-Fehler
- Vanity Metrics: Downloads statt Retention tracken
- Keine Segmentierung: Durchschnitte verbergen Muster
- Zu kurze Zeiträume: Wöchentliche Schwankungen überinterpretieren
- Korrelation ≠ Kausalität: Feature X korreliert mit Retention, verursacht sie aber nicht
- Survivorship Bias: Nur aktive Nutzer analysieren, Churner ignorieren
Kurz gesagt: Der Wert von Analytics liegt nicht in den Zahlen, sondern in den Entscheidungen, die Sie daraus ableiten.
Datenschutz und Compliance
DSGVO-Anforderungen
Was Sie brauchen:
- Rechtsgrundlage: Berechtigtes Interesse (Analytics) oder Einwilligung
- Datenschutzerklärung: Welche Daten, warum, wie lange, welche Tools
- Cookie-/Tracking-Banner: Bei Web-Komponenten Pflicht
- Datenverarbeitungsvertrag: Mit Analytics-Anbieter (AV-Vertrag)
Berechtigtes Interesse vs. Einwilligung:
- Berechtigtes Interesse: Funktionale Analytics ohne personenbezogene Auswertung
- Einwilligung nötig: Advertising, Cross-App-Tracking, detaillierte Profile
Praxis-Tipp: In der Praxis wird First-Party-Analytics oft versucht über berechtigtes Interesse zu lösen – aber ob das trägt, hängt vom konkreten Setup ab: Pseudonymisierung, Zweckbindung, Aufbewahrungsdauer, Anbieter, Drittland-Transfers. Bei Unsicherheit: Datenschutzberater fragen, nicht raten.
Datensparsamkeit
- Anonymisierung: Keine echten Namen, E-Mails in Events
- Aggregation: Wo möglich, nur aggregierte Daten speichern
- Retention Policies: Daten nach X Monaten löschen
- Minimalprinzip: Nur tracken, was Sie wirklich brauchen
Analytics-Kosten
Tool-Kosten
| Tool | Kostenlos bis | Danach |
|---|---|---|
| Firebase Analytics | Sehr großzügig | BigQuery-Kosten |
| Mixpanel | 20M Events/Monat | Ab ~$25/Monat |
| Amplitude | 10M Events/Monat | Enterprise-Pricing |
| PostHog Cloud | 1M Events/Monat | Usage-based |
Implementation-Kosten
- Basis-Setup (Firebase): 2.000-4.000€
- Erweitertes Tracking: 4.000-8.000€
- Custom Dashboards: 3.000-6.000€
- Data Warehouse Integration: 5.000-15.000€
Laufende Kosten
- Tool-Gebühren: 0-500€/Monat (je nach Volumen)
- Wartung/Anpassungen: 2-4 Stunden/Monat
- Analyse-Kapazität: Der echte Kostenfaktor – jemand muss die Daten auch anschauen
Ich implementiere Analytics als Teil der App-Architektur von Anfang an – nicht als nachträgliches Add-on. Der Tracking-Plan entsteht parallel zum Feature-Design.
Häufig gestellte Fragen zu App Analytics
Antworten auf die wichtigsten Fragen
Ja, für die meisten Apps. Firebase Analytics ist kostenlos, schnell integriert und bietet alles, was Sie in den ersten Monaten brauchen: Event-Tracking, Retention-Übersicht, User Properties, Crash-Reporting.
Wechseln Sie zu Mixpanel oder Amplitude, wenn Sie an diese Grenzen stoßen: komplexe Funnel-Analysen, User-Level-Debugging, erweiterte Kohorten, A/B-Test-Integration.
So wenige wie nötig, so viele wie sinnvoll. Starten Sie mit 10-20 Events für eine typische App:
- • Session-Start
- • Screen Views (automatisch oder manuell)
- • 3-5 Kern-Feature-Events
- • Conversion-Events (Registrierung, Kauf, etc.)
- • Fehler-Events
Erweitern Sie iterativ basierend auf konkreten Analysefragen. Jedes Event sollte einen klaren Zweck haben.
Das hängt stark vom App-Typ ab. Benchmarks sind mit Vorsicht zu genießen, da sie je nach Kategorie, Zielgruppe und Nutzungskontext stark variieren.
Allgemeine Orientierung:
- • Day 1: Consumer-Apps oft 20-40%, B2B teils höher
- • Day 7: Consumer-Apps oft 10-20%
- • Day 30: Consumer-Apps oft 5-10%
Wichtiger als absolute Zahlen: Ihr eigener Trend. Verbessern Sie sich Monat für Monat?
In nativen Apps: Meist nicht. Cookie-Banner sind primär für Websites relevant. Native Apps verwenden keine Cookies im klassischen Sinn.
Was Sie trotzdem brauchen:
- • Datenschutzerklärung in der App / App-Store-Beschreibung
- • Bei iOS: ATT-Prompt, wenn Sie IDFA nutzen wollen
- • Transparenz darüber, welche Daten Sie sammeln
Für reine First-Party-Analytics ohne personenbezogene Auswertung reicht meist berechtigtes Interesse. Bei Unsicherheit: Rechtliche Beratung einholen.
Ja, aber mit Bedacht. Typische Kombination: Firebase (kostenlos, Basis) + Mixpanel/Amplitude (tiefe Analyse) + Crashlytics (Crashes).
Vorteile: Beste Features jedes Tools nutzen
Nachteile:
- • Mehr Implementation-Aufwand
- • Zahlen können divergieren (unterschiedliche Definitionen)
- • App-Größe und Performance-Impact
Empfehlung: Starten Sie mit einem Tool. Fügen Sie ein zweites nur hinzu, wenn Sie konkrete Funktionen brauchen, die das erste nicht bietet.
Das hängt vom App-Typ ab:
- • Monetarisierte App: LTV vs. CAC (Customer Acquisition Cost)
- • Interne B2B-App: Zeitersparnis × Stundensatz, Fehlerreduktion
- • Marketing-App: Brand-Metriken, Lead-Generierung
Formel für Consumer-Apps: ROI = (LTV - CAC) / CAC × 100
Für B2B-Apps ohne direkte Monetarisierung: Definieren Sie Proxy-Metriken (Prozesseffizienz, Nutzerzufriedenheit) und bewerten Sie diese monetär.
Fazit: Analytics als Produkt-Muskel
Analytics sind dann wertvoll, wenn sie zu besseren Entscheidungen führen – nicht, wenn sie in Dashboards verstauben.
Die wichtigsten Takeaways:
- Weniger ist mehr: Lieber 10 Events, die Sie verstehen, als 100, die Sie ignorieren
- Tracking-Plan first: Definieren Sie vor der Implementation, was Sie tracken und warum
- Firebase reicht oft: Starten Sie einfach, skalieren Sie bei Bedarf
- Retention ist King: Die wichtigste Metrik für Product-Market-Fit
- Von Daten zu Aktionen: Jede Analyse sollte in einer Entscheidung münden
- Datenschutz ernst nehmen: First-Party-Analytics funktionieren, Cross-App-Tracking wird schwieriger
Starten Sie mit einem klaren Tracking-Plan und wenigen Kern-Metriken. Erweitern Sie, wenn Sie konkrete Fragen haben, die Sie mit den vorhandenen Daten nicht beantworten können.
Wenn Ihre App Daten sammelt, die niemand anschaut – oder keine Daten hat, obwohl Sie Fragen haben – dann liegt das Problem nicht an den Tools. Es liegt an der Strategie. Genau dort setze ich an.
Mein Angebot: Schicken Sie mir drei Dinge:
- Ihre aktuellen Tools (Firebase, Mixpanel, nichts, …)
- Ihre Top-10-Events (Liste oder CSV-Export)
- 3 Fragen, die Sie mit den Daten beantworten wollen
Dann bekommen Sie eine kurze Einschätzung, was fehlt oder optimierbar ist – ohne Roman, mit konkreten nächsten Schritten.
📧 E-Mail: die@entwicklerin.net 🌐 Website: www.app-entwicklerin.de
Über die Autorin: Carola Schulte entwickelt seit 25+ Jahren Business-Apps für DAX-nahe Konzerne und mittelständische Unternehmen. Analytics implementiert sie als Teil der App-Architektur – nicht als nachträgliches Add-on.
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